Fachleute für die Simulation von Netzwerken treffen sich in Bremen

30.08.2017 -

Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft tauschen sich über neue Forschungsergebnisse und Entwicklungen rund um das System OMNeT++ aus

Die virtuelle Simulation von Netzwerken ist unerlässlich, um komplexe Software oder Hardware entwickeln zu können, aber auch um Phänomene wie die Verbreitung von Computerviren zu analysieren. Ein häufig genutztes Instrument ist dabei das System OMNeT++, das von einer internationalen Entwicklergemeinschaft kontinuierlich weiterentwickelt und erforscht wird. Am 7. und 8. September treffen sich die Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft zum vierten "OMNeT++ Summit" an der Universität Bremen, um sich über neueste Projekte und Forschungsvorhaben auszutauschen. Die Konferenz ist offen für alle Interessierten.

OMNeT++ ("Objective Modular Network Testbed in C++") wird besonders in Europa und Asien viel genutzt. Für die akademische und private Anwendung ist es als Open-Source-Lösung kostenlos erhältlich. Prof. Dr. Anna Förster, Professorin für Kommunikationsnetzwerke im Fachbereich Physik/Elektrotechnik der Universität Bremen, engagiert sich bereits seit mehr als zehn Jahren für die Weiterentwicklung des Systems und hat das internationale "Gipfeltreffen" nun in die Hansestadt geholt. Zuletzt hatte das Summit in Prag und Zürich stattgefunden.

Das Simulationswerkzeug OMNeT++ wird häufig eingesetzt, um Software oder Hardware unter möglichst realen Bedingungen testen zu können, beispielsweise bei der Entwicklung von Protokollen für die Datenübertragung oder bei der Verkabelung von Großrechnern. "Das Internet lässt sich nicht im Labor nachbauen", erklärt Förster. "Und bei großen Netzwerken würde man mit Tests oft den Normalbetrieb stören."   

Modell für die Verbreitung von Nachrichten

Aufgrund der fast unbegrenzten Zahl an Anwendungsmöglichkeiten werden Modelle für die jeweils untersuchten Prozesse benötigt, für die das System genutzt werden soll – ein Netzwerk kann nur simuliert werden, wenn es vorher genau verstanden wurde. Eine von vier Publikationen, die von Prof. Försters Arbeitsgruppe auf dem Summit vorgestellt werden, befasst sich beispielsweise mit der Verbreitung von E-Mails oder Mitteilungen in sozialen Netzwerken. "Wie schnell verbreitet sich eine Nachricht, wenn ich sie jetzt verschicke?", lautet beispielsweise eine Fragestellung. Um dies simulieren zu können, muss zunächst ein Modell für die Nutzer des jeweiligen Dienstes erstellt werden: Wie viele Nachrichten lesen sie auf einmal? Wann? Und was wird ignoriert? Antworten auf diese Fragen können auch helfen, Netzwerk-Ressourcen gezielter bereitzustellen.

Netzwerk-Simulationen sind auch für die Raumfahrt interessant – wenn Geräte erst einmal im Weltraum unterwegs sind, besteht kaum noch eine Chance, Optimierungen vorzunehmen. Die Keynote-Sprecherin des Summit, Dr. Tra-Mi Ho vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, wird daher von Erfahrungen bei der Entwicklung eines Asteroiden-Landemoduls berichten.

Weitere Informationen:
https://summit.omnetpp.org/2017/

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