Interaktive Technologien für die Kreativwirtschaft

13.09.2016 -

Technologienzentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen (TZI) entwickelt mit sieben europäischen Partnern ein System für die Vorproduktion von Film- und Theaterprojekten

Das Projekt "first stage" ermöglicht die Animation von Figuren mit Hilfe von Gesten.

Das Projekt "first stage" ermöglicht die Animation von Figuren mit Hilfe von Gesten.

Zwischen dem Drehbuch und den Dreharbeiten liegt bei einem Filmprojekt die Vorproduktion: Die Szenen werden zeichnerisch visualisiert, die Szenenbilder entworfen und die Schauspieler gecastet. In diesem kreativen und agilen Prozess entwickeln Mitglieder des Produktionsteams und Schauspieler ihre Ideen zur Story, zur bildlichen Gestaltung und zu den zeitlichen Abläufen, wobei sie sich untereinander austauschen. Neue Möglichkeiten der digitalen Visualisierung und Interaktion können diesen Prozess auch für nicht-technisches Personal zugänglich und gleichzeitig auch für kleinere Produktionsunternehmen erschwinglich machen.

Wissenschaftler des Technologienzentrums Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen (TZI) entwickeln jetzt zusammen mit europäischen Partnern aus Wirtschaft und Kultur computerbasierte Werkzeuge für die digitale Vorproduktion, um die Arbeit der Produktionsteams zu vereinfachen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf natürlichen Nutzerschnittstellen, die Hand- oder Körperbewegungen von Schauspielern und Produzenten erkennen können. Diese gestenreichen Eingabemöglichkeiten sollen zur Vereinfachung von Charakteranimationen und Spezialeffekten zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sollen sie bei der Szenengestaltung unterstützen, damit beispielsweise Landschaften und Objekte auf intuitive Art und Weise platziert, positioniert und verändert werden können.

Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Film, Theater und Animation

Die TZI-Arbeitsgruppe Digitale Medien unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Malaka hat mit dem Projekt „first.stage – Fast and easy previsualisation for creative industries“ nicht nur Filmproduktionen im Blick, sondern auch die Bereiche Theater, Animationsfilm und Visual Effects. In allen vier Feldern können die Akteure von Interaktionstechniken profitieren, die eine möglichst realistische Vorschau auf das spätere Werk ermöglichen, ohne fortgeschrittenes Know-how im Umgang mit kompliziert zu bedienender Software zu erfordern.

So erhalten Filmregisseure durch „first.stage“ beispielsweise die Möglichkeit, ihre Vorstellungen noch früher in die Produktion einzubringen. Schauspieler einer Theaterproduktion müssen zu Beginn nicht alle gleichzeitig zu Proben anreisen, sondern können Szenen digital aufnehmen, woraufhin diese sich am Bildschirm verändern und neu zusammenfügen lassen, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen.

Künstlerischer Ausdruck verbindet sich mit technischen Chancen


Eingaben in das System können auf verschiedenen Wegen erfolgen. So ermöglicht es kostengünstige Standard-Hardware bereits, Bewegungen mit Kameras aufzunehmen und präzise zu analysieren. Dadurch können Figuren auf dem Bildschirm – oder einzelne Körperteile – beispielsweise durch Handbewegungen gesteuert werden. Ebenfalls denkbar ist die Steuerung mit Sprachbefehlen oder Touchscreens.

Eine Möglichkeit, Bewegungen des ganzen Körpers aufzunehmen und realistisch darzustellen, bieten Anzüge, die mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet sind. „Die Ausdruckskraft der Künstler soll sich mit den Möglichkeiten der Technologie verbinden“, erklärt Prof. Dr. Rainer Malaka, der „first.stage“ am TZI leitet. „Es gibt zwar schon Previs-Werkzeuge, die sehr mächtig sind, aber sie sind auch sehr kompliziert. Wir wollen, dass im Grunde jeder das System bedienen kann.“

EU-Förderung im Rahmen von „Horizon 2020“

Das Projekt, das am 1. Juni 2016 gestartet und auf drei Jahre angelegt ist, wird von der Europäischen Union im Rahmenprogramm „Horizon 2020“ gefördert. Profitieren sollen vor allem kleinere Produktionsfirmen und Kultureinrichtungen, wie sie in Europa vorherrschen – im Gegensatz zu großen amerikanischen Entertainment-Konzernen verfügen sie über keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.
 
Dem Konsortium gehören neben dem federführenden TZI sieben weitere Partner an. Als Technologiepartner sind Moviestorm (UK), Rokoko (Dänemark) und Next Limit Technologies (Spanien) vertreten. Das Landestheater Linz, Vogel Audiovision und Arx Anima (alle Österreich) beteiligen sich als Anwendungspartner. InfoConsult (Deutschland) unterstützt die Projektabwicklung.

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