Kreative Technologien für die Lehrerausbildung

19.09.2017 -

Universität Bremen beteiligt sich an Projekt zum Einsatz von „FabLabs“ im Studium

Kreative Technologien wie 3D-Drucker oder Fräsmaschinen können helfen, den Schulunterricht interessanter zu gestalten und den Lernstoff praxisnaher zu vermitteln. Um angehende Lehrerinnen und Lehrer mit diesen neuen Möglichkeiten vertraut zu machen, beteiligt sich die Universität Bremen an einem hochschul- und studiengangübergreifenden Projekt zum Einsatz von Laboren zur digitalen Fabrikation („FabLabs“) im Studium. Das Projekt „FAB101“ verfolgt das Ziel, entsprechende Lehrkonzepte und Bildungsmodule zu entwickeln. Ergänzend werden die strukturellen Rahmenbedingungen untersucht, beispielsweise die Übertragbarkeit der Ergebnisse zwischen den beteiligten Institutionen oder die organisations- und sicherheitstechnische Einbettung von FabLabs in die Hochschulen.

Neben der Arbeitsgruppe Digitale Medien in der Bildung (dimeb) am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen unter Leitung von Prof. Dr. Heidi Schelhowe beteiligen sich die Universität Siegen (Verbundkoordination), die RWTH Aachen und die Folkwang Universität Duisburg/Essen am kürzlich gestarteten Forschungsprojekt „Digitale Fabrikationsinfrastrukturen in der interdisziplinären Hochschulbildung - FAB101“. Das Vorhaben, das ein Teil der Digitalisierungsstrategien an den teilnehmenden Hochschulen ist, wird bis Februar 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,2 Millionen Euro gefördert.

Zukünftige Lehrkräfte an die Technologien heranführen

Im Zentrum des Projekts stehen die FabLabs: Fabrikationslabore, in denen vorwiegend mit 3D-Druckern, Lasercuttern, Plottern, CNC-Fräsen und Mikrocontrollern gelernt, gearbeitet und geforscht wird. Das erste FabLab entstand 2002 in den USA, um einer breiteren Bevölkerung den Zugang zu modernen Produktionsmaschinen zu ermöglichen. Seither hat sich die Idee weltweit verbreitet. Das Verbundprojekt soll nun Wege zur festen Einbettung der kreativen Technologien in verschiedene Studiengänge aufzeigen. Jede beteiligte Hochschule fokussiert sich dabei auf einen anderen Bereich: Wirtschaftsinformatik & Interfakultatives Studium (Siegen), Informatik (Aachen), Industrial Design (Folkwang) und lehrerbildende Studiengänge (Bremen).    

Das Bremer Team steht dabei vor besonderen Herausforderungen: „Die Lehrerbildung ist sehr strikt organisiert“, erklärt Dr. Iris Bockermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe dimeb. Daher sei es schwieriger, neue Inhalte in den Lehrplan zu integrieren. Hinzu komme, dass Lehramtsstudierende häufig ein distanziertes Verhältnis zur Technik hätten. „Wir müssen sie erst einmal überzeugen, dass die Einbindung von digitalen Technologien in den Unterricht kein Risiko ist, sondern eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Bockermann.

Kombination aus analoger und digitaler Welt


Ein grundsätzlicher Vorteil der FabLabs bestehe darin, dass sie die Entwicklung von Kreativität unterstützen, ergänzt Antje Moebus, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin am dimeb. „Im Unterricht ermöglichen sie es auch, Konzepte besser zu verstehen, indem man selbst etwas herstellt“, erläutert sie. So erhielten Schülerinnen und Schüler einen ganz anderen Zugang zum Lernstoff. „Und man sieht, dass es funktioniert“, berichtet sie: Junge Lehrerinnen und Lehrer, die bereits FabLabs eingesetzt haben, hätten es als gute und wichtige Ergänzung empfunden. So habe eine Schulklasse im Rahmen des Mathe-Unterrichts beispielsweise den Bremer Marktplatz mit Rathaus, Dom, Bürgerschaft und Roland-Statue vermessen, um ihn anschließend im FabLab nachzubauen. Damit sei es möglich gewesen, mathematische Prinzipien sehr praxisnah zu erfahren – und mit verschiedenen Sinnen, unter anderem haptisch. „Es ist eine Kombination aus analoger und digitaler Welt“, so Moebus.

Im Verbundprojekt geht es unterdessen auch darum, die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, damit Studierende die passenden FabLab-Angebote an anderen Hochschulen nutzen können. Dafür müssen nicht nur gemeinsame Strukturen geschaffen werden, sondern die Einrichtungen müssen sich auch weiter öffnen, um voneinander zu lernen und die enge Kooperation zu ermöglichen. Wenn dies gelingt, sollen nach dem Projektende fertige Module zur Verfügung stehen, die in der Praxis eingesetzt werden können.

Weitere Informationen:
Dr. Iris Bockermann
Arbeitsgruppe Digitale Medien in der Bildung
Tel: + 49 421 218 64389
Email: bockerm(at)informatik.uni-bremen.de

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