Selbststeuerung logistischer Prozesse

TZI an fünf Projekten beteiligt – intelligenter Container im ersten Praxistest erprobt

Die richtige Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das sind die bekannten Anforderungen an die Logistik. Vor dem Hintergrund hochdynamischer Märkte und einer zunehmenden Komplexität logistischer Netzwerke sind diese Ziele mit herkömmlichen Planungs- und Steuerungsmethoden immer schwieriger zu erreichen. Künftig werden Aspekte wie Flexibilität, Adaptivität und Proaktivität im Vordergrund stehen. Diese sind nur durch Dezentralisierung und Autonomie der logistischen Entscheidungsprozesse realisierbar.

Hier setzt der Anfang 2004 gestartete Sonderforschungsbereich (SFB) 637 „Selbststeuerung logistischer Prozesse – Ein Paradigmenwechsel und seine Grenzen“ an. Auf der Basis neuer Informations- und Kommunikations-Technologien lassen sich künftig intelligente logistische Objekte realisieren und damit Planungs- und Steuerungsprozesse auf die Ebene des physischen Materialflusses verlagern. Die so ermöglichte Selbststeuerung der logistischen Prozesse erfordert neuartige Konzepte und Methoden – diese sollen im SFB erforscht und für die Anwendung nutzbar gemacht werden.

Das TZI ist an fünf Projekten beteiligt – in einem wird der intelligente Container entwickelt. Nach diversen kleineren Tests auf LKW Transporten und Laborversuchen fand im September 2009 der erste Feldtest in einem Seecontainer statt. Der Transport von zwei Containern mit Bananen wurde auf dem Weg von der Plantage in Costa Rica bis zur Entladung in Hamburg überwacht. Die intelligenten Container senden mehrmals am Tag die gemessene Temperatur und Feuchtigkeit einzelner Paletten. Daten, mit denen Unternehmen wie Projektpartner Dole die Lagerhaltung zukünftig besser planen können.  Zukünftig soll die Datenauswertung direkt im Container stattfinden. Durch entsprechende mathematische Verfahren lässt sich bereits anhand der Messwerte aus den ersten vier Tagen berechnen, mit welcher Temperatur die Palette in Europa ankommen wird oder die Summe der Temperaturabweichung über die Zeit vorhersagen. Kern des intelligenten Containers sind etwa 20 drahtlose Sensoren und ein Kommunikationsgateway, das die Sensordaten sammelt und über WLAN an das Schiff weiterleitet. Mit diesem Pilotversuch konnte die prinzipielle Machbarkeit des intelligenten Containers belegt werden.

www.sfb637.uni-bremen.de