10 Jahre TZI

10 Jahre TZI

Flaggschiff für Strukturwandel

Technologie-Zentrum Informatik als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Weserkurier, 7.Oktober 2005,
Sigrid Schuer

BREMEN. "Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ist ein Ozean", Michael Meyer zitierte dieses heute noch gültige Credo Isaac Newtons bei einem Festkolloquium zum zehnten Geburtstag des Technologie-Zentrums Informatik (TZI) der Universität Bremen.

Meyer, Vize-Präsident der Siemens-Kommunikationssparte, war einer der prominenten Laudatoren, die die weit über die Region hinaus reichende Innovationskraft des TZI würdigten. Sowohl Professor Jörg Menno Harms, Vizepräsident der Bitkom in Berlin, als auch Michael Meyer unterstrichen in ihren Beiträgen die Bedeutung der Kooperation von Wissenschaft und Industrie als Motor globaler und regionaler Technologie- und Wirtschaftsentwicklung.

Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek betonte, dass Bremen auf einem guten Weg sei, um in die Top Ten der deutschen Technologiestandorte aufzusteigen. Kastendiek und der TZI-Gründer Professor Otthein Herzog waren sich darin einig, dass das Technologie-Zentrum zu einem erfolgreichen Aushängeschild des Strukturwandels in der Hansestadt avanciert sei. "Wir wollen uns als Trendsetter gegenseitig unterstützen", betonte Michael Meyer für die Siemens AG. Sowohl Harms als auch Meyer unterstrichen, dass "die Wettbewerbsfähigkeit bereits im Klassenzimmer beginnt", wie es einst Henry Ford formulierte. "Bildung ist eine Basis für Forschung und Innovation", hob Meyer in seinem Vortrag hervor. Forschung und Innovation seien wiederum die Voraussetzungen für Wachstum und Markterfolg. Nur so könnten, so seine Folgerung, Wohlstand und Arbeitsplätze entstehen.

Das TZI ist ein Paradebeispiel für diese Kausalkette. Aus anfänglich 45 hoch qualifizierten Arbeitsplätzen sind innerhalb einer Dekade auf 145 geworden. Dazu kommen in den mittlerweile elf Ablegern weitere 90 Arbeitsplätze. Auch in der Einwerbung von Drittmitteln, die einen immer größeren Stellenwert einnimmt, habe das Technologie-Zentrum Vorbildfunktion, unterstrich Professor Harms. Insgesamt beläuft sich die eingeworbene Summe auf 40 Millionen Euro.

Das TZI habe sich zudem als ein Treiber für wirtschaftliche Innovationen erwiesen, bilanzierten Joachim Grollmann, Chef der Bremer Innovations-Agentur (BIA) und Ulrich Keller, Geschäftsführer der Bremer Investitions-Gesellschaft (BIG). Das TZI arbeitet als Teil des Mobile Research Centers fleißig an der Weiterentwicklung Bremens zur mobile city. Dabei komme es darauf an, zukunftsfähige Produkte an einem globalisierten Markt zu platzieren, waren sich Grollmann und Harms einig.

"Per Handy können heute nicht nur virtuelle Zeitreisen und Stadtführungen unternommen werden", erläuterte Ulrich Keller. Das TZI kreiert so unterschiedliche, innovative Produkte wie fußballspielende Roboter (Bremen ist 2006 Austragungsort der Robocup Weltmeisterschaft) und Arbeitskleidung mit Computern.

Die Wissenschaftler erforschen auch die Kommunikationstechnologien von morgen. Dass die Zukunft hier noch viele Herausforderungen bereit hält, daran ließ Michael Meyer keinen Zweifel. So wachse der Bedarf beispielsweise auf den Sektoren Umwelt und Gesundheit stetig. Last not least: die benötigten Investitionen am boomenden Sicherheitsmarkt mit einem jährlichen Volumen von 90 Milliarden Euro und einer Wachstumsrate von bis zu 40 Prozent pro Jahr. Professor Harms und Michael Meyer betonten, dass die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft noch wesentlich stärker voran getrieben werden müsse, um im verschärften globalisierten Wettbewerb überleben zu können. Das gleiche gelte für die Etablierung wissenschaftlicher Forschungs-Ergebnisse am Markt, um die sich die Wissenschaft verstärkt kümmern müsse. "Die Wirtschaftsnation, die dieses Zusammenspiel schneller optimiert, wird enorme Wettbewerbsvorteile erhalten", so das Fazit von Jörg Menno Harms, der einen strikten Entbürokratisierungskurs sowie die Kultivierung von Selbstkritik anmahnte.