LivingLabs
Moderne Kooperationsform im Technologietransfer: LivingLab
Die Einführung von mobile und wearable computing wird Arbeitsprozesse in Unternehmen signifikant verändern. Ein besonderes Potential findet sich in der Unterstützung der Arbeitsprozesse und insbesondere der Qualitätssicherung mit durchgängiger Dokumentation, zeitnaher und flexibler Instandhaltung der Infrastruktur und mobiler Arbeitsprozesse in der Montage. Darüber hinaus kann diese Technologie zum Schulungseinsatz beim „Training on the Job“ eingesetzt werden.
Bremen hat sich zu einem strategisch wichtigen Standort für die Innovation mobiler Arbeitsprozesse entwickelt. Dazu haben sowohl die Landesstrategie (Mobile Solution Center, mobile city) als auch das TZI mit wearIT(at)work, dem weltweit größten Forschungsprojekt in diesem Bereich, beigetragen.
Bisher wurden in der Forschung häufig Innovationen entwickelt, die entweder kein reales Problem der Praxis lösten oder erst aufwändig angepasst werden mussten. Dies führte zu zeitlicher Entkopplung von Forschung und Entwicklung (s. Abbildung 1) und zu einer verlängerten Timeto- Market von Innovationen. Deshalb zielt die europäische Forschungsförderung seit einigen Jahren auf die nachhaltige Wirkung von Forschung in ökonomischen Kontexten.
Die Integration von Anwendern und Nutzern bereits zu Projektbeginn soll dem entgegenwirken. Häufig ist der Aufbau von Projektkonsortien sehr aufwendig und der Overhead für viele kleinere Entwicklungsprojekte nicht tragbar. Ein überzogener Anwendungsbezug schränkt aber auch das Kreativitätspotenzial der Forschungspartner unnötig ein und kann damit interessante Neuerungen verhindern. Eine gute Balance zwischen konkreten Anwendungsbezügen und grundlegender Forschung ist am ehesten mit längerfristig vertrauensvoller Zusammenarbeit zu erreichen. Das Konzept eines LivingLabs stellt einerseits eine wiederverwendbare Infrastruktur zur Verfügung, die Experimente mit neuartiger innovativer Technologie ermöglicht. Andererseits setzt es auf eine strategische Kooperation der Partner, die zeitliche Kontinuität ermöglicht, auch wenn einzelne Projekte jeweils kurzfristig geplant und realisiert werden. Damit soll der Aufwand für alle Beteiligten signifikant reduziert, Fehlentwicklungen vermieden und somit die „Time-To-Market“ verkürzt und der Aufwand verringert werden.
Die Nutzung eines LivingLabs erfolgt hierbei entweder für die Anwendungsentwicklung („Probleme zu den Entwicklern bringen“) oder die Aus- und Weiterbildung („Trainingsumgebung für kritische Bereiche schaffen“). Eine Anwendungsentwicklung innerhalb eines LivingLabs soll die Störung des Kerngeschäfts vermeiden. Hierbei werden Probleme isoliert betrachtet, so dass eine nicht-triviale Komplexitätsreduktion erfolgen kann. Innerhalb einer solchen Infrastruktur kann ferner die Vernetzung in regionale, nationale und auch globale Forschung institutionalisiert werden. Die Konsortien können entlang von Wertschöpfungsketten für eine partizipative Entwicklung über Organisationsgrenzen hinweg flexibel erweitert werden.
In Bremen hat sich daher eine Initiative unter Federführung des TZI gebildet, die sich für die Gründung eines solchen LivingLabs im Bereich mobiler Arbeitsprozesse einsetzt.
Dr. Ingo Timm



