NetContent
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Architektur des medialen Zuhauses
Im Alltag nehmen die Fragen des sinnvollen Umgangs mit digitalen Medien einen immer breiteren Raum ein: Digitalkameras und MP3-Player (wie der iPod) verlagern wichtige Bereiche auch des Privatlebens auf „den Computer“. Nachhaltigkeit, Sicherheit und Zugänglichkeit von Mediensammlungen werden zunehmend zu Alltagsfragen.
Zu ihrer Nutzung werden derzeit Insellösungen mit Verwaltungs- und Abspielmöglichkeiten angeboten, die aber durch den Einzelnen gepflegt werden müssen. Semi-strukturierte Daten können einen effizienteren Umgang im Privatbereich wie bei Lern- oder Arbeitsprozessen ermöglichen.
NetContent ist ein Leitthema des TZI. Ziel ist es, den Weg für eine Architektur zu bereiten, die den Menschen in naher Zukunft ein persönliches mediales Zuhause bietet und dabei allen Anforderungen gerecht wird, die man auch an ein physisches Zuhause stellt: Sicherheit, Privatsphäre, solide Bausubstanz, Anschluss an stabile Grundversorgungsnetze, individuelle Gestaltungs- und Umzugsmöglichkeiten.
Um die Entwicklung zielgerichtet voranzubringen, wurde NetContent dieses Jahr personell verstärkt und im TZI inhaltlich und strategisch neu organisiert. Hauptanliegen ist nicht die Entwicklung einer weiteren neuen Basistechnologie, sondern die Generierung von Lösungen im täglichen Umgang mit persönlichen Daten und Inhalten. Daher setzen alle Aktivitäten beim Menschen und seinen Bedürfnissen an, um von dort aus neue Lösungen abzuleiten.
Die Ausrichtung des Leitthemas erfolgt vor dem Hintergrund, dass Technologiegenerationen heutzutage oft schon in weniger als zwölf Monaten veraltet sind und einem starken Preisverfall unterliegen. „Elektronikware lässt sich heute mit teurem frischen Fisch vergleichen, der nach zwei Tagen billig ist“ (Jong-Yong Yun, Samsung Electronics). Um Nachhaltigkeit für den privaten Nutzer zu erreichen, zielt NetContent auf plattform-, zeit- und anbieterunabhängige Konzepte.
Für die Architektur des zukünftigen medialen Zuhauses (oder auch des medialen Arbeitsplatzes) ist ein ganzheitlicher Ansatz wichtig: schließlich besteht der Bau eines Hauses auch nicht allein aus dem Aufeinanderschichten von Steinen. Vielmehr gilt es zunächst die Bedürfnisse der zukünftigen Hausherren zu ermitteln. Auch besteht ein Haus nicht allein aus umbautem Raum, sondern aus Funktions- und Aufenthaltsräumen mit einer Versorgungsinfrastruktur für Strom, Wasser, Wärme, etc., mit Türen und Schlüsseln für Bewohner und Gäste. Baukomponenten fallen nicht plötzlich zusammen; sie sind nicht nach einem oder zwei Jahren verrottet und machen den Auszug in einen Neubau notwendig, ohne Chance auf Rückkehr.
Übertragen auf das mediale Zuhause heißt dies, zunächst aus den Bedürfnissen der Besitzer die Gestalt der Funktions- und Aufenthaltsräume mit möglichen Erweiterungen zu entwickeln. Gleiches gilt für die Anforderungen an Privatsphäre und Sicherheit. So wird niemand eine Wohnung ohne stabile, abschließbare Zugangstüren kaufen, die ihn vor ungebetenen Gästen schützt, oder transparente Außenwände akzeptieren, die keine Intimsphäre zulassen und so dünn sind, dass die Nachbarn alles mithören können.
Ein persönliches mediales Zuhause gibt dem Besitzer eine stabile, zugängliche und Komfort bietende Heimstatt für den wachsenden digitalen Anteil seines Lebens. Im Sinne des im Rahmen von i2010 durch EU-Kommissarin Viviane Reding geforderten „Benefit for the Citizen“ ist das Leitthema NetContent somit auch ein Beitrag zu einer positiven Vision für die europäische Informationsgesellschaft, die auf größere Nutzerfreundlichkeit, effizientere Unterstützung von Diensten, Empowerment und die Unterstützung von zwischenmenschlichen Interaktionen abzielt.
Dr.-Ing. Volker Wittpahl




