Interaktion und Bildung Interaction and Education 
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Interaktion und Bildung

Sprecher: Prof. Dr. Rainer Malaka
Geschäftsführer: Dr. Gerald Volkmann

Die fortschreitende Durchdringung unseres Alltags mit Digitalen Medien und Diensten erfordert das Gestalten neuartiger Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen. Das Fortschreiten technischer Innovationen, insbesondere auch in der Gestaltung des Verhältnisses zwischen stofflicher und virtueller Realität, erlaubt es heute, den Umgang mit Medien und die Gestaltung der Interfaces grundlegend neu  zu denken.

Ein aktuelles Beispiel ist das iPhone, das durch seine Multi-Touch-Interaktion eine einfache und gut nutzbare Interaktionsform vorangetrieben hat. Damit lassen sich viele Tätigkeiten des Alltags schneller, angenehmer und intuitiver erledigen.

Langfristiges Ziel ist eine bessere Integration von stofflich-physikalischer und digitaler Wirklichkeit, die den Menschen die wechselweise Nutzung und das Verstehen dieser Wirklichkeiten auch an ihren Übergängen erleichtert. Das zentrale Konzept dahinter – das "Embodiment" -  nutzt die spezifische Bedeutung menschlicher Interaktion im jeweiligen Kontext, um eine intuitive Bedienung zu ermöglichen. Die Basis für die Gestaltung neuartiger Schnittstellen, die intuitiv - in Analogie zur menschlichen und sozialen Interaktion - verwendet werden können, ist es zu verstehen, wie Menschen ihre sächliche und soziale Umwelt begreifen. Um neue Interaktionsparadigmen entwickeln zu können, muss das situationsabhängige Verhalten von Menschen erforscht und in neue Konzepte umgesetzt werden.

Smart Textiles sind ein herausragendes Beispiel für ein neues Interaktionsparadigma. Hier werden Schnittstellen zu digitalen Medien direkt in die Kleidung integriert. Dadurch ergeben sich vielfältige kreative Möglichkeiten zur Gestaltung, aber auch potentielle Grenzen und Risiken einer allgegenwärtigen Interaktion müssen beachtet werden.

Das Interaktionsdesign in Virtual Communities (Social Computing) bildet ein weiteres Beispiel für die Erweiterung des klassischen auf einzelne Individuen bezogenen Interaktionsbegriffs („Mensch-Computer-Interaktion“) hin zu mediengestützter Kommunikation und Kooperation in sozialen Netzwerken. Erforscht werden hier neben der funktionsbezogenen Benutzbarkeit (Usability) vor allem die emotionalen und interkulturellen Aspekte der Mediennutzung (User Experience) sowie die neuen Formen der Vergesellschaftung (Virtual democracy, Folksonomies usw.).

Neue Interaktionsformen setzen voraus, dass Menschen offen für Veränderungen und bereit sind, einen neuartigen Umgang mit Medien in ihr Handeln sinnvoll zu  integrieren. Dazu braucht es Bildung, Ausbildung und ein lebensbegleitendes Lernen, um die Chancen und Herausforderungen abschätzen und nutzen zu können. Digitale Medien mit neuen Schnittstellen bieten ihrerseits wiederum die Notwendigkeit und die Chance, Innovationen im Bereich von Bildung und Ausbildung  zu initiieren. Lernen findet insbesondere auch im Kontext täglicher Arbeit statt, als kontinuierlicher, lebenslanger, oft informeller Aneignungsprozess von fachlichem wie auch außerfachlichem (sozialem, organisatorischem) Wissen. Der Wissenstransfer zwischen den Beschäftigten kann mit Methoden des mediengestützten Wissensmanagements zu einem unternehmensweiten „Organisational Memory“ ausgebaut werden. „Wissensinteraktion“ umfasst so jenseits der Gestaltung der Benutzungsschnittstelle vor allem auch die semantische Dimension der Mediennutzung.

Die neuen Interaktionsmöglichkeiten fordern dazu auf, Lernen besser zu ermöglichen, verschiedenste Lerntypen anzusprechen und die Bedeutung des Be-Greifens wieder zu entdecken.

Sie bieten auch eine Chance soziale Randgruppen und  Menschen mit Einschränkungen auch im Hinblick auf den Demographischen Wandel eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Dies geeignet zu gestalten, enthält Herausforderungen und Fragestellungen sowohl auf technischem wie aber auch auf pädagogischem, sozialem, rechtlichem und ethischem Gebiet.

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Letzte Änderung: 07.08.2009