| Autor: R. Stahl | Update: 8.12.1997 | Hier könnten Sie als Sponsor genannt sein! |
Mittlerweile kennt sie wohl jeder: bunte Computer-Landkarten, dreidimensionale Geländeanimationen und sogar Video-Animationen im Gelände. Beeindruckend ist so etwas ganz sicher, allein Geographische Informationssysteme - kurz GIS genannt - verfügen jedoch über die Möglichkeit Sach- und Geometriedaten in ihren komplexen, logisch-inhaltlichen und räumlichen Zusammenhängen zu erfassen und zu verwalten und außerdem über räumliche Analysemöglichkeiten neue Informationen zu generieren. Darin unterscheiden sich GIS von verwandten Produkten wie Desktop Mapping, Bildverarbeitungsprogrammen oder CAD. Bereits heute haben Geographische Informationssysteme eine große gesellschaftliche Bedeutung. Raumbezogene Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung werden zunehmend mit Unterstützung solcher Systeme getroffen.
Nachdem noch bis in die späten 80er Jahre hinein das Fehlen digitaler räumlicher
Basisdaten, der hohe Preis von Hardware und Leistungsbeschränkungen der graphisch
orientierten Software als Hemmnis wirkten, ist die Akzeptanz in den letzten Jahren
deutlich gewachsen und hat der GIS-Industrie jährliche Wachstumsraten von teilweise über
20% beschert.
In nahezu allen Bereichen raumbasierender Entscheidungen werden GIS heute - allerdings
noch in sehr unterschiedlicher Intensität - eingesetzt. Während in früheren Jahren vor
allem das Vermessungswesen sowie der Umweltschutz Hauptanwendungsgebiete waren, reicht das
Spektrum heute von Leitungsdokumentation und Netzmanagement über
Verkehrsmanagementsysteme, Funknetzplanung, Standortsuchen aller Art, Marketing,
Raumplanung, Fremdenverkehr, Störfallmanagement und Lagerstättensuche bis hin zu
komplexen Modellen für z.B. Klima, Schadstoffausbreitung in Luft oder Wasser und vieles
mehr.
Diese Tatsache bedeutet auf der anderen Seite, daß dem GIS-Anwender eine hohe
Verantwortung zukommt. Allgemeine Technikgläubigkeit und nahezu unbegrenzte
Manipulationsmöglichkeiten durch unterschiedliche Darstellung des selben Sachverhalts
erlauben weitgehende Einflußnahme auf Zielpersonen und Entscheidungen. Das gilt auch bei
der Verwendung unterschiedlicher Parameter (oder auch nur Parameterwerten) bei
Simulationsberechnungen und Modellen. Eine ausführliche Dokumentation solcher
Manipultionsmöglichkeiten - schon mit analoger Kartographie - und der daraus erwachsenden
Gefahren enthält MONMONIER
[1991].
Was für ein System aber ist nun ein GIS, das derartige Aufgaben bewältigen kann? Nun, die wissenschaftlichen Definitionen des Begriffs sind überwiegend sehr allgemein gehalten und beschränken sich in der Regel auf die Forderung nach der Möglichkeit zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Ausgabe raumbezogener Daten. Diese Forderungen können jedoch sehr verschieden ausgelegt werden und so benutzen viele Hersteller von einfachen Kartographie-, Vermessungs- oder CAD-Programmen den Begriff GIS sehr freizügig.
| Zum Verständnis: Der Begriff GIS wird heute homonym sowohl für GIS-Projekte, als auch für GIS-Software verwendet. Unter einem GIS-Projekt versteht man alles, was für digitales raumbezogenes Arbeiten notwendig ist, also Hardware, Software und vor allem Daten und Organisationsformen. Häufig werden auch schon Datensammlungen wie z.B. das ATKIS (Amtliches Topographisch Kartographisches Informationssystem der Landesvermessungsämter) als GIS bezeichnet. Es wird zwischen zeitlich begrenzten Untersuchungsprojekten und Dokumentationsprojekten als Daueraufgabe (Custodial GIS) bei Behörden und Versorgungsunternehmen unterschieden. Die GIS-Software, ist dabei das Werkzeug, mit dem die Daten im Sinne der oben angesprochenen Definition erfaßt, verwaltet, analysiert, fortgeführt und präsentiert bzw. ausgegeben werden. |
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen GIS-Architekturen (CAD, GIS, Desktop-Mapping etc.) werden detailliert im Kapitel "Graphik oder Information?" beschrieben.

Abb.1: GIS Anwendungsbereiche

Abb.2: Architekturvorstellung GIS (Quelle: CSC Ploenzke Consulting GmbH)